Nicole Schönhütte Laufcoaching, Laufstreckenplanung

Jede Geschichte braucht einen Anfang – das ist meiner

Der Auslöser war Unzufriedenheit – und er lässt sich datieren: Am 1. Januar 2011 brachte ich 97 Kilogramm auf die Waage. Tendenz Richtung 100. Zur Unzufriedenheit gesellte sich Angst. Wenige Wochen zuvor war meine Mutter an einem Herzleiden erkrankt. Hey, Nicole, dachte ich bei mir, du solltest deinen Kindern wirklich ein besseres Vorbild sein! Also änderte ich etwas an meiner Ernährung und begann zu laufen. Und nahm ab. Und lief weiter. Und fühlte mich besser. 30 Kilogramm blieben in den ersten zwölf Monaten buchstäblich auf der Strecke. Am 1. Januar 2012 wog ich dann nur noch 67 Kilogramm.

Pragmatik statt Laufromantik

Am 1. Januar 2018 wog ich zwar nicht mehr 67 Kilogramm, vielleicht 69 oder 70, aber immer noch weit weniger als vor Jahren. Ich bin 1,65 Meter groß. Ich bin nicht also nicht dürre. Und es geht mir nicht darum, immer weiter abzunehmen. Es geht darum, mich gut zu fühlen. Ich bin keine Lauf-Romantikerin. Ich bin pragmatisch. Ich laufe, weil ich gesund alt werden möchte. Und weil ich auch im hohen Alter noch fit sein möchte. Laufen ist für mich Mittel zum Zweck. An guten Tagen macht es Spaß, ja. An schlechten kann es eine Qual sein. Wenn du einen Marathon bei Kilometer 26 abbrichst und später heulend im Ziel sitzt, so wie ich 2014 in Hamburg, ist das schlicht Sch…e. Da gibt es nichts zu verklären.

Gestatten, Schönhütte. Vorname Nicole. Jahrgang 1973. Verheiratet. Mutter von zwei Töchtern, die – wie man so schön sagt – aus dem Gröbsten heraus sind. Von Beruf: Software-Entwicklerin. Ich sitze viel am Schreibtisch. Ich schaue viel auf Bildschirme. Ich tippe viel mit den Fingern auf der Computer-Tastatur herum. Das ist ja auch Bewegung, irgendwie. Manche bekommen sogar einen Tennisarm davon. Aber auf Dauer ist es eben deutlich zu wenig.

Als die Kinder kamen, habe ich die berufliche Karriere zurück- und die Familie in den Vordergrund gestellt. Dann habe ich Gewicht aufgebaut. Ich wollte das nicht. Es ist einfach passiert. Gelaufen bin ich auch damals schon – aber aus dem Ruder. Irgendwann war mir klar, dass nur ich selbst etwas ändern kann. Ich musste diesen Kreislauf durchbrechen. Anfang 2011 war es so weit. Bei 97 Kilo. Kurz vor 100.

Laufen – genau mein Thema

Inzwischen vergeht eigentlich kein Tag ohne zu laufen oder irgendwelche Tätigkeiten, die sich rund ums Laufen drehen. Ich laufe allein, zu zweit oder in der Gruppe. Beim Fußball- und Leichtathletikverband Westfalen habe ich eine Ausbildung zur Laufbetreuerin gemacht. Seither betreue ich andere Läuferinnen und Läufer. Was mich von den meisten anderen Laufbetreuern unterscheidet: Ich erstelle keine individuellen Trainingsprogramme. Ich motiviere, mit dem Laufen zu beginnen und durchzuhalten, das heißt, ich laufe mit, also neben Ihnen her. Oder auch mal vorneweg. Natürlich nur, wenn Sie das auch wollen. In dem Fall können Sie mich buchen (www.nicole-schoenhuette.de). Mich gibt’s sogar auf 10er-Karte. Und die meisten wollen genau das. Individuelle Lauf-Begleitung zu persönlich abgestimmten Zeiten.

Laufen ist für mich weder Berufung noch Beruf. Laufen ist irgendwie allgegenwärtig. Ich laufe einfach gerne. Und ich motiviere andere gerne. Und am allerliebsten motiviere ich andere zum Laufen und laufe dann gemeinsam mit ihnen. Ich mache das (nicht nur, aber) auch im Ehrenamt. Seit einigen Monaten leite ich den AWO-Lauftreff in Dortmund-Asseln. Dreimal Training in der Woche, Öffentlichkeitsarbeit, Social Media – dazu die Organisation des jährlichen AWO-Laufs mit rund 700 Teilnehmern. Und warum das alles, wo man doch auch ganz prima alleine laufen kann – mit Stöpseln im Ohr, über die leise lauter Lieblingslieder laufen?! Ganz einfach: Weil laufen nicht nur Bewegung ist, sondern auch Begegnung.

Nicht nur Bewegung,  sondern Begegnung!

Beispiel 1: Im Oktober 2017 wollte ich den Taubertal 100 laufen; einen Ultramarathon von Rothenburg nach Wertheim. Ging aber nicht. Fußverletzung! Also begleitete ich meinen Laufpartner Norbert und leistete Support am Streckenrand. Nach 71 Kilometern war Norbert platt. Er konnte nicht mehr. Und er wollte nicht mehr. Also habe ich ihn ins Ziel gezogen. In Jeans und T-Shirt. 4 Stunden und 54 Minuten haben wir für die letzten 29 Kilometer gebraucht. Von 6 Uhr früh bis 21 Uhr am Abend waren wir insgesamt unterwegs und sieben Minuten vor dem Cut-Off, dem Ablauf des Zeitlimits also, im Ziel.

Auch das macht die Faszination des Laufens aus. Die Begegnungen.

Beispiel 2: Berlin-Marathon 2016. Noch gut zwei Wochen zuvor hatte ich in Reken die 100 km-Marke geknackt und war bei einem 24 h-Lauf für einen wohltätigen Zweck 105 km gelaufen. Dann stand der Berlin-Marathon an. Eigentlich war ich oder besser gesagt mein rechter Fuß nicht in der Lage, die Marathon-Distanz zu laufen, aber sagt man den Berlin-Marathon ab und lässt Unterkunft und Zugticket sausen? Natürlich nicht. So ein Ding zieht man durch.

Also startete ich beim 43. Berlin-Marathon im BVB-Trikot und quälte mich über die Kilometer. Nicht gleich zu Anfang, aber spätestens bei der Hälfte, waren die Schmerzen in meiner rechten Ferse so stark, dass ich teilweise nur noch humpeln konnte. Ja, und in solchen Situationen trifft man auf Gleichgesinnte: Joanna Jörgensen, Dänin, hübsch, drahtig und Adidas-Runner aus Kopenhagen, ebenfalls mit Fußschmerzen nach Umknicken unterwegs. Sie war bereits vom Sani mit Tape zusammengeklebt worden und lief mit einer Tube Salbe in der Hand. Schmerzverzerrt, den Tränen nahe. Die restliche Strecke sind wir zusammen gelaufen, haben uns gegenseitig motiviert, durchzuhalten und uns im Ziel die schwere Finisher-Medaille um den Hals hängen lassen – einfach nur glücklich, es geschafft zu haben.

Im Ziel mit Joanna nach etwas gequälten 42,195 km in Berlin 2016.

Der besondere Reiz

Und noch etwas verleiht dem Laufen einen ganz besonderen Reiz: Du kannst Laufprogramme entwickeln, deine Leistung regelmäßig checken, konsequent auf ein Ziel hintrainieren. Aber den einen Lauf, den Wettkampf, kannst du nur bedingt planen.

Wenn’s gut läuft, kommst du schnell in einen Flow. Nach zwei, drei Kilometern setzt das Schwitzen ein. Nach acht, neun Kilometern, spätestens, hast du deinen Rhythmus. Dann läufst du wie ein Uhrwerk und wenn niemand den Stecker zieht, läufst du weiter und weiter und weiter. Wie 2016 beim 6-Stunden-Lauf am Seilersee in Iserlohn, als ich 54 Kilometer zurücklegte, im Schnitt neun pro Stunde, und Platz zwei belegte. Mein erster „Ultra“, sportlich betrachtet sicherlich mein schönster Erfolg.

Und wenn’s schlecht läuft: Dann ist das Ding nach 26 Kilometern gelaufen. Dann schüttet dein Körper statt Glückshormonen im Ziel nur noch Tränen aus. Wie 2014 in Hamburg. Dumm gelaufen!

Aber die offene Rechnung mit Hamburg wird am 29. April beglichen, dass das mal klar ist!  😉